Über das Heidelberger Bewegungslabor

Das Ganglabor der Orthopädischen Universitätsklinik in Heidelberg wurde 1993 gegründet.Ziel war zunächst die Therapieplanung und Erfolgskontrolle von operativen Eingriffen bei Patienten mit neurologisch bedingten Gangstörungen insbesondere bei Infantiler Zerebralparese. Die standardisierte Instrumentelle 3D-Ganganalyse wird inzwischen in klinischer Routine bei ca. 200 Fällen pro Jahr durchgeführt, so dass inzwischen ein gut dokumentiertes Patientengut von über 3000 Fällen vorliegt. In den letzten Jahren hat sich das Labor zunehmend overviewRHS_800auch anderen Anwendungsbereichen wie dem der Technischen Orthopädie und der Schulterchirurgie geöffnet und firmiert deshalb nach der Integration der Orthopädischen Klinik in das Universitätsklinikum Heidelberg im Jahre 2010 unter der Bezeichnung "Bewegungsanalytik". Kennzeichen dieses Bereichs bleibt jedoch weiterhin die enge Verzahnung von klinisch orientierter Forschung mit der Patientenversorgung unter Einsatz der instrumentellen 3D-Ganganalyse als Diagnostikum.

Dem Motto der Klinik „Life is Movement“ folgend, beschäftigt sich das Labor für Bewegungsanalyse mit allen Aspekten menschlicher Bewegung insbesondere der des Gehens. Zum einen werden in diesem Labor grundlagenorientierte Projekte wie die Entwicklung neuer Analysemethoden und biomechanischer Modelle verfolgt, die das allgemeine Verständnis des Gangablaufs und speziell die Bewegung des Fußes sowie der Armbewegung beim Gehen vertiefen sollen. Zum anderen werden die zur Verfügung stehenden Methoden genutzt, um in klinisch angewandten Studien die funktionellen Auswirkungen operativer sowie konservativer Therapien zu evaluieren. Auch die Versorgung mit Prothesen und Orthesen sowie Sitzdruck und Sitzhaltungsmessungen fallen in diesen Bereich.

Zerebralparese

Neben einer Vielzahl anderer neurologisch bedingter Gangstörungen ist insbesondere die Behandlung von Patienten mit Infantiler Zerebralparese Gegenstand der klinischen Forschung. So werden eine Vielzahl von Patienten in laufenden Studien funktionsverbessernden operativen Eingriffen unterzogen und die Daten gezielt ausgewertet. Zur Zeit erfolgt dies im Rahmen einer Studie zur sogenannten Patella-Distalisierung wie einer Studie zur Behandlung von Erwachsenen mit Zerebralparese.

Technische Orthopädie

desk_800Das Labor für Gang- und Bewegungsanalytik ist eng verzahnt mit dem Bereich der Technischen Orthopädie. Anders als an fast allen anderen Standorten in Deutschland ist diese Abteilung mit über 60 Mitarbeitern in den Bereichen Prothetik und Orthetik ein direkter Bestandteil der Orthopädischen Klinik. Auf diese Weise besteht die fast einmalige Möglichkeit die medizinische wie die orthopädietechnische Patientenversorgung eng mit der Forschung zu verknüpfen. Durch Kooperationen mit den Fachhochschulen Gießen und Münster und der Technischen Universität Darmstadt sowie auf Grund verschiedener teilweise langjähriger Projekte mit Firmen aus dem Bereich der technischen Orthopädie (Össur, Medi, Bauerfeind) hat sich ein neues Forschungsgebiet entwickelt, das sich durch eine große Nähe zur Patientenversorgung und zur Orthopädischen Werkstatt auszeichnet und somit exzellente Möglichkeiten für die Einwerbung von Drittmitteln bietet.

Kinematik-Modelle

Herausragend sind sicherlich die beiden in Heidelberg entwickelten Biomechanik-Modelle, das Heidelberger Fußmodell sowie das "Heidelberg Upper Extremity Model"(HUX) für Bewegungsmessungen im Bereich der oberen Extremität. Aus diesen Grundlagenarbeiten ergeben sich Schwerpunkte zum einen in der Analyse von Fußbewegungen bei Vorliegen von neurologisch bedingten Deformitäten wie auch nach degenerativen und traumatisch bedingten Veränderungen. Zum Anderen bietet sich mit dem HUX-Modell die Möglichkeit, speziell Bewegungen der oberen Extremität bei Alltagsbewegungen zu untersuchen wie auch im Rahmen einer Ganzkörpermodellierung die Funktion der oberen Extremität beim Gehen zu studieren.

Sport

Kreuzbandverletzungen sowie Distorsionstraumata im Bereich des Sprunggelenks sind Gegenstand mehrerer Studien. Über den im Hause entwickelten Heidelberger Sprungtest wird auch in Kooperation mit dem Institut für Sport und Sportwissenschaft Prophylaxe-Forschung betrieben.