Postoperatives Krafttraining bei Kindern mit Infantiler Zerebralparese

Ziel dieser Untersuchung war es, den Effekt eines gezielten zusätzlichen Muskelkrafttrainings während der postoperativen Rehabilitationsphase auf die Gangparameter von Patienten mit der Diagnose einer Infantilen Zerebralparese (ICP) mit der Ausprägung einer spastischen Diparese zu evaluieren.

Diese Patienten zeigen häufig Einschränkungen ihrer Gehfunktion resultierend unter anderem aus fehlerhafter motorischer Kontrolle, Gleichgewichtsstörungen sowie einer Muskeldysbalance zwischen Agonisten und Antagonisten. Durch Wachstum und unphysiologische Belastung der Gelenke treten strukturelle Veränderungen des Bewegungsapparates auf, die operative Eingriffe erfordern, um die Gehfunktion zu verbessern, zu erhalten oder wiederherzustellen. Die notwendige postoperative Ruhigstellung induziert eine zusätzliche Atrophie der ohnehin schon geschwächten Muskulatur.

Bereits Ende der 1980er Jahre (Horvat 1987; Bohannon 1989) wurde von einem positiven Effekt durch Krafttraining bei spastischer Lähmung berichtet. In einer Studie aus Los Angeles (Fowler et al. 1998) konnte gezeigt werden, dass Krafttraining keine Verstärkung der Spastizität zur Folge hat. Daraus resultierend liegt der Einsatz eines gezielten Krafttrainings zusätzlich zur neurophysiologischen Therapie nach operativen Eingriffen bei Patienten mit spastischer Diparese nahe.

Die Kraftstudie fand unter wissenschaftlichen Kriterien (prospektiv, kontrolliert, randomisiert, monozentrisch, offen) mit einer Gruppe von 40 gehfähigen Patienten der Diagnose einer ICP mit spastischer Diparese im Alter von 6 bis 16 Jahren, bei denen ein Multilevel-Eingriff durchgeführt wurde, über einen Zeitraum von 4 Jahren statt.

Folgende Untersuchungsmethoden wurden eingesetzt:

  • Instrumentelle 3D-Ganganalyse mit Messung der Raum-Zeit-Parameter, der Gelenkkinematik und -kinetik;
  • Dynamische Elektromyografie an 8 Muskeln der unteren Extremität;
  • 
Sauerstoffverbrauchsmessung zur Bestimmung der Gangökonomie;
  • Gross Motor Function Classification Scale (GMFCS) zur Bewertung von 5 verschiedenen Funktionskreisen (Liegen, Sitzen, Krabbeln, Stehen, Gehen);
  • 
Isometrische Krafttests am Isokineten (Biodex);
  • 
Klinische Untersuchung mit Erhebung des passiven Bewegungsumfanges der großen Gelenke der unteren Extremität, der Spastizität (Modified Ashworth Scale) und der Kraft (MRC-Scale).

Die Messwerterfassung dieser Tests wurde zu 3 Zeitpunkten durchgeführt:

  1. Praeoperativ;
  2. 3 Monate nach Entlassung (Biodex-Kraftmesstest und klinische Untersuchung);
  3. 9 Monate nach Entlassung.

Ca. 3-5 Wochen nach dem operativen Eingriff begannen die Patienten zusätzlich zur regelmäßigen physiotherapeutischen Einzelbehandlung (1-3x wöchentlich) täglich, mindestens jedoch dreimal wöchentlich, gezielte Krafttrainingsübungen selbstständig durchzuführen. Die Patienten in der Kontrollgruppe wurden während dieser Zeit ausschließlich krankengymnastisch behandelt.

In dieser Studie wurde deutlich, dass ein gezieltes Kraftraining in der postoperativen Rehabilitationszeit von Patienten mit ICP als standardisierte Methode von einem klinischen Zentrum aus schwer durchführbar und kontrollierbar ist und im Prinzip eine individuelle Anpassung bedarf. Beide Patientengruppen zeigten sich in der Gehfunktion postoperativ signifikant verbessert. In der Kraftgruppe konnten jedoch keine trainingsbedingten signifikanten Zuwächse an Muskelkraft erfasst werden und so schnitt diese Gruppe in der Funktion nicht besser ab, als die Kontrollgruppe, die ausschließlich reguläre Physiotherapie erhielt.