Was ist eine Ganganalyse?

Der Gang des Menschen ist eine Bewegungsart, die den Körper sicher und unter geringem Energieaufwand von einem Ort zum anderen bewegt. Störungen dieses Bewegungsablaufes können zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Mobilität sowie der gesellschaftlichen Integration im Alltag führen.

3D-gaitAnalysis_800Das Labor für Bewegungsanalyse der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg bietet die Möglichkeit das Gangbild mittels einer instrumentellen 3D Ganganalyse zu untersuchen. Mit dieser Methode können Gelenkstellungen während des Gehens erfasst werden. Mit Hilfe von Kraftmessplatten, welche im Boden eingelassen sind, können Drehmomente und Gelenkleistung berechnet werden, welche an Sprung-, Knie- und Hüftgelenk beim Gehen wirksam sind. Um das Aktivierungsverhalten bestimmter Muskelgruppen während des Gehens zu untersuchen, wird die Oberflächenelektromyographie (EMG) eingesetzt. Hierzu werden Elektroden auf die Haut aufgeklebt. Ähnlich einer EKG-Aufzeichnung (Elektrokardiogramm) können damit Potentialdifferenzen gemessen werden, welche bei der Aktivierung eines Muskels entstehen. Als weitere Messmethode steht die Sauerstoffverbrauchsmessung zur Verfügung. Diese bietet Information über den Energieverbrauch während des Gehens.

Wozu Ganganalyse?

Eine subjektive Ganganalyse ist eine Standarduntersuchung im klinischen Routinebetrieb und wird meist von Ärzten und Physiotherapeuten durch einfache Beobachtung des Patienten durchgeführt. Durch das schon beschriebene Verfahren der Instrumentellen 3D Ganganalyse ist es darüber hinaus möglich, die Bewegungen eines Patienten objektiv in Zahlen auszudrücken und das Gangbild somit exakt zu beschreiben. Der Vorteil dieses Verfahrens liegt vor allem darin, Gangbild bestimmende Paramter (Gelenkbewegungen, Drehmomente und Leistungen, Muskelkontraktionen und -koordination) zu messen und in einem Analysebericht zu dokumentieren. Dies dient zur Beurteilung von Therapieeffekten wie auch zur Planung einer Operation, und zur Verlaufskontrolle.

Ablauf einer Ganganalyse

markerPlacement_800emgSetup_800Zu Beginn wird ein Video des Patienten aufgenommen, während er mehrfach über eine ca. 8 m lange Gehstrecke läuft. Dieses liefert einen allgemeinen Eindruck über das Gangbild. Im Anschluss daran werden kleine reflektierende Markerkugeln mit Kleberingen auf der Haut aufgeklebt. Diese können vom optischen Messsystem erfasst werden und dienen der Rekonstruktion der Bewegung des Patienten im Raum. Auch damit geht der Patient mehrfach die Gehstrecke auf und ab. Parallel zum optischen System läuft auch hier eine Videoaufzeichnung mit. In einem weiteren Untersuchungsschritt werden Oberflächenelektroden auf die Haut über bestimmte Muskeln geklebt und deren Aktivität beim Gehen in Form eines Elektromyogramms gemessen. Zur Übertragung der Daten befinden sich dünne Kabel an den Elektroden. Standardmäßig werden die für den Gang relevanten Muskelgruppen (Hüftbeuger, Kniestrecker, Kniebeuger, Fußheber, Wadenmuskulatur, etc.) aufgezeichnet. Bevor Aussagen über die erhobenen Daten gemacht werden können, müssen diese, im Anschluss an die Messung, erst aufbereitet werden. Zusätzlich zur instrumentellen Ganganalyse wird eine klinische Untersuchung durchgeführt. Hier wird die Beweglichkeit der Gelenke sowie die Muskelkraft des Patienten getestet und dokumentiert.

Belastungen durch eine Ganganalyse?

Die einzige Belastung, die durch die Ganganalyse entsteht, ist die körperliche Belastung durch das Gehen. In wenigen Fällen wurden Hautrötungen durch die verwendeten Kleberinge, -streifen und -elektroden beobachtet. Für die Dauer einer kompletten Ganganalyse sollten 2,5 bis 3 Stunden eingeplant werden.

Was ist eine Sauerstoffverbrauchsmessung?

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Die optionale Sauerstoffverbrauchsmessung dient der objektiven Beurteilung des Energieverbrauchs während des Gehens. Dazu atmet der Patient innerhalb einer Maske die über Nase und Mund getragen wird. Daten zum Sauerstoffverbrauch und Herzfrequenz werden telemetrisch übermittelt. Nach der Auswertung der Daten können Aussagen zur Gangökonomie gemacht werden.

Welche Messungen können im Ganglabor noch durchgeführt werden?

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Pedobarographie: Für Fußbezogene Fragestellungen kann zusätzlich der Druck unter der Fußsohle gemessen werden. Hierzu stehen zwei unterschiedliche Systeme zur Verfügung. Bei der mobilen Druckmessung im Schuh werden Einlegesohlen mit Drucksensoren im Schuh platziert, ein kleines Kästchen welches mit einem Gürtel um die Hüfte des Patienten befestigt wird, überträgt die Daten an den Computer. Während des Gehens kann so der Druck unter der Fußsohle gemessen werden. Alternativ kann mit einer in den Boden eingelassenen Druckmessplatte, über die der Patient barfuß läuft, die Druckverteilung unter dem Fuß während des Gehens gemessen und dargestellt werden. Beide Messmethoden liefern Aussagen über Belastungsspitzen unter der Fußsohle.

Ganganalyse und Datenschutz?

Alle im Rahmen der Untersuchung anfallenden persönlichen Daten werden unter Beachtung der gültigen Vorschriften des Datenschutzes vertraulich behandelt. Die Ergebnisse der einzelnen Untersuchungen werden den Patienten in mündlicher oder schriftlicher Form mitgeteilt.

Sollten Sie weitere Fragen zum Ablauf oder zur Methodik einer Ganganalyse haben, so werden Ihnen diese von den Mitarbeitern des Ganganalyselabors oder von Ihrem betreuenden Arzt der Orthopädischen Klinik gerne beantwortet.